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Abrechnung von Reparaturkosten nach einem Verkehrsunfall

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Abrechnung von Reparaturkosten nach einem Verkehrsunfall


Aus der Vergangenheit wird noch manchem Autofahrer, der schon einmal einen Verkehrsunfall mit seinem Fahrzeug erlitten hat, in Erinnerung sein, dass es unbeachtlich war, ob der durch einen Unfall beschädigte PKW repariert wurde, unrepariert weiter benutzt oder gar unrepariert verkauft wurde. Bei eindeutigem Fremdverschulden erfolgte die Bezahlung der Reparaturkosten in Höhe des Kostenvoranschlages einer Werkstatt oder der Bewertung in einem Sachverständigengutachten. Bis zu einer Änderung des § 249 Abs. 2 BGB im Jahr 2002 erfolgten die Zahlungen sogar einschließlich der Umsatzsteuer, auch wenn die Reparatur nicht oder in „eigener Regie" durchgeführt wurde.

Mittlerweile ist im Falle eines Unfalls höchste Vorsicht geboten!

Wer nach einem Verkehrsunfall die Absicht hat, sich ein anderes Fahrzeug zu kaufen, muss damit rechnen, dass die gegnerische Haftpflichtversicherung nur die Differenz zwischen dem geschätzten Wiederbeschaffungswert und dem Restwert, der von den Versicherungen durch Spezialaufkäufer meistens zu hoch angesetzt wird, als Schadenersatz gezahlt wird. Es kann somit für den Fall, dass kein Totalschaden vorliegt, zu erheblichen Problemen bei der Abrechnung des Unfallschadens kommen, wenn keine Reparatur beabsichtigt ist oder durchgeführt wird. Es ist deshalb dringend darauf hinzuweisen, sich nicht auf Meinungen Dritter, sei es nun der Sachverständige bei der Fahrzeugbewertung, die Mitarbeiter der Werkstatt oder selbst der Vertreter der eigenen Versicherung, zu verlassen. So hat der Bundesgerichtshof erst kürzlich mit Urteil vom 29.04.08 – VI ZR 220/07 – entschieden, dass eine Abrechnung fiktiver Reparaturkosten nur dann in voller Höhe verlangt werden kann, wenn das beschädigte Fahrzeug mindestens – und hierbei falls erforderlich im teilreparierten Zustand – sechs Monate weiterbenutzt wird. Gerade diese Frage, wie dies in der Schadensregulierung zu handhaben ist, beinhaltet erhebliche Unsicherheiten für die Entscheidung im unmittelbaren Zeitraum nach einem Verkehrsunfall. Es ist deshalb immer wieder anzuraten, im Falle eines unverschuldeten Verkehrsunfalls unmittelbar danach anwaltlichen Rat oder Beistand in Anspruch zu nehmen.

Bei einer unmittelbaren Verbindungsaufnahme mit dem Haftpflichtversicherer über den Zentralruf der Autoversicherer sollten keinesfalls eigene Erklärungen, weder zum Unfallgeschehen noch zu den Schadenspositionen und Absichten abgegeben werden. Es kommt im Regelfall nur darauf an, den zuständigen Haftpflichtversicherer des Unfallgegners zu ermitteln und die Schadennummer zu erfragen. Der Unfallgeschädigte ist im Zusammenhang damit ebenso nicht verpflichtet, sich auf einen von der gegnerischen Versicherung benannten Sachverständigen verweisen zu lassen.

Bei unklaren Unfallsituationen ist weiterhin zu beachten , dass häufig die eigene Fahrzeugversicherung darauf orientiert, den Schaden zunächst im Rahmen der Kaskoversicherung abzuwickeln. Die folge ist jedoch, dass dann nur noch im höchst eingeschränkten Maße Ansprüche gegenüber der gegnerischen Versicherung geltend gemacht werden können. Somit gilt auch in solchen Fällen, vorher sachkundigen Rat einzuholen.

Roland Scholz
Rechtsanwalt
Mitglied der ARGE Verkehrsrecht des DeutschenAnwaltvereins


(Döbelner Rundschau – Verkehrsrecht, Ausgabe vom 25.06.08)

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