Ihre sympathische Anwaltskanzlei Roland Scholz in Döbeln


Direkt zum Seiteninhalt

Ärger mit den Versicherungen

Recht-Lokal

Ärger mit den Versicherungen


Verschiedene - neue - Aspekte der Unfallschadensregulierung


War es bis Anfang dieses Jahrhunderts im Regelfall unproblematisch, nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall den Schaden am eigenen Fahrzeug auf der Grundlage des Gutachtens eines Kfz-Sachverständigen unabhängig davon abzurechnen, ob nun die Reparatur durchgeführt wurde oder nicht und, ob das Fahrzeug weiter genutzt oder ohne Reparatur verkauft wurde, so haben sich seither entscheidende Veränderungen ergeben. So wird seit dem Jahr 2002 die Umsatzsteuer auf die Reparaturkosten nur noch erstattet, wenn eine Reparaturrechnung vorgelegt werden kann.

Wichtige Eckpunkte für die richtige Wahl der Schadensregulierung sind die Feststellung der Reparaturkosten zzgl. eines unfallbedingten Minderwertes einerseits sowie des Wiederbeschaffungs- und Restwertes des Fahrzeuges andererseits. Zur Problematik des Restwertes hat der BGH mit Urteil vom 13.10.2009 nochmals entschieden, dass der Geschädigte den vom Gutachter auf dem regionalen Markt ermittelten Restwert seiner Schadensabrechnung zugrunde legen kann. Im Gutachten muss allerdings belegt sein, wie die Restwertermittlung erfolgte. Dafür sind mindestens drei eingeholte Angebote regionaler Anbieter nachzuweisen. Auf Angebote von spezialisierten Restwertaufkäufern muss sich der Geschädigte, wenn er sein Fahrzeug, obwohl es wirtschaftlich einen Totalschaden darstellt, weiter benutzt, nicht verweisen lassen. Ein wirtschaftlicher Totalschaden liegt grundsätzlich vor, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert (jeweils einschließlich der Umsatzsteuer) übersteigen. Der Geschädigte kann bei einem Nachweis der Ersatzbeschaffung - allerdings mindestens in Höhe des Wiederbeschaffungswertes - die hierauf entfallende Umsatzsteuer ersetzt verlangen.

In besonderen Fällen kann innerhalb einer Grenze von 30 % über dem Wiederbeschaffungswert eine Reparatur abgerechnet werden. Dann muss allerdings schon vorab klargestellt und erforderlichenfalls nachgewiesen werden, dass das Fahrzeug vom Geschädigten mindestens sechs Monate weiter benutzt wird. Diese erhöhte Reparaturgrenze gilt übrigens auch bei gewerblich genutzten Fahrzeugen.

Bei einem Reparaturaufwand bis zum Wiederbeschaffungswert kann bei durchgeführter Reparatur nach den tatsächlichen Kosten abgerechnet werden. Eine Weiterbenutzung des Fahrzeugs ist nicht erforderlich. Die fiktive Abrechnung der Kosten auf Gutachtenbasis ist allerdings nur möglich, wenn eine Weiterbenutzung des Fahrzeuges im reparierten Zustand für mindestens sechs Monate erfolgt. Soll das Fahrzeug ohne Reparatur veräußert werden, erfolgt nur die Erstattung der fiktiven Nettokosten.

Liegen die Reparaturkosten unter dem Wiederbeschaffungswert kann sowohl fiktiv auf Gutachtenbasis als auch konkret nach tatsächlich angefallenen Reparaturkosten abgerechnet werden. Ein Wechsel in der Abrechnungsart ist möglich. Es kann also zunächst zur möglichst kurzfristigen Schadensregulierung fiktiv und nach einer Zahlung durch die Versicherung gemäß den tatsächlich angefallenen Reparaturkosten eine Abrechnung vorgenommen werden. Der Geschädigte kann bei tatsächlich durchgeführter Reparatur sein Fahrzeug auch für eine Ersatzbeschaffung in Zahlung geben.

Neuerlich besteht allerdings im Reparaturfall die Möglichkeit, dass der Geschädigte hinsichtlich der Reparaturkosten von der Haftpflichtversicherung des Schädigers auf eine kostengünstigere, nicht markengebundene, freie Werkstatt verwiesen werden kann (so genanntes "VW-Urteil" des BGH vom 20.10.2009). Will der Geschädigte demnach die Kosten für "seine Werkstatt des Vertrauens" erstattet erhalten, muss er im Einzelnen nachweisen, dass er sein Fahrzeug, sofern dieses älter als drei Jahre ist, regelmäßig nur in seiner Werkstatt hat warten und reparieren lassen.

Auf Neuwagenbasis ist eine Abrechnung eines Fahrzeugschadens im Regelfall nur möglich, wenn tatsächlich ein fabrikneues Fahrzeug als Ersatz erworben wird und das beschädigte Fahrzeug keine Laufleistung über 1.000 km hatte.

Da neben den Regulierungsfragen häufig auch die Fragen des Verschuldens, insbesondere der Beweissicherung und -würdigung eine Rolle spielen, gilt mehr denn je der Grundsatz: Unfall? Sofort zum Anwalt!

Roland Scholz, Rechtsanwalt
Mitglied der ARGE Verkehrsrecht des Deutschen AnwaltVereins seit 1991

(Döbelner Anzeiger - Ratgeber Recht, 26.03.2010)


Diesen Artikel downloaden im pdf.Format

zurück zu Veröffentlichung

Home | Wir über uns | Unser Profil | Aktuelles | Recht lokal | Service | Ihr Kontakt zu uns | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü